Yin Yoga

 
 

Die Phasen der Wandlung


Alles ist zyklisch. Unser Leben beschreibt einen großen Zyklus vom ersten Atemzug bis zum Letzen. Es lässt sich in viele weitere Unterzyklen einteilen - ein Jahr, ein Monat, ein Tag. Selbst eine Lebensphase ist ein in sich geschlossener Zyklus. Sich diesem Umstand zu widersetzen würde bedeuten, sich dem natürlichen Fluss des Lebens, ja dem Leben selbst, zu widersetzen.


Die Natur zeigt uns in all ihren Erscheinungsformen zyklische Bewegungen auf - die Gezeiten, die Jahreszeiten, ein Tag und Nacht Zyklus. Jedes Tier und jede Pflanze bewegt sich und lebt danach, ganz natürlich.

Diesem Grundprinzip unseres Daseins liegen die fünf Wandlungsphasen zu Grunde, die genau den Anfang, die Entwicklung und das Ende eines Zyklus beschreiben. Aber wo ist der Anfang?


Fließt das Ende nicht nahtlos in den Anfang hinein? Wohnt in jedem Ende nicht schon wieder ein Anfang? Wie Phönix aus der Asche, der die Kraft seiner Wiedergeburt aus der verbrannten Materie seines vorherigen Daseins schöpft, nährt das Ende eines Zyklus den nächsten Anfang. Jedes Ende einer Wandlungsphase läutet den Anfang der Nächsten ein und geht nahtlos in diese über.


Die Phasen der Wandlung beschreiben einen ewigen Kreislauf. Ohne Anfang. Ohne Ende. Jeder Wandlungsphase ist ein bestimmtes Element und eine Jahreszeit zugeordnet. Das Wasser dem Winter, das Holz dem Frühling, das Feuer dem Sommer, die Erde dem Spätsommer, das Metall dem Herbst. Die Elemente bedingen sich gegenseitig, kontrollieren sich gegenseitig. Sie nähren einander. Sind die Energien in einem Element schwach, können auch die Andern nicht in ihrer Fülle wirken. Ein kraftvoll wachsendes Holz braucht Wasser. Die wärmenden Flammen des Feuers brauchen ein gut gewachsenes Holz mit hohem Brennwert. Kann ein Feuer das Holz vollständig verbrennen, wird fruchtbare Erde daraus. Tief in der Erde finden wir wertvolle Bodenschätze, die Metalle, die Spurenelemente, die Mineralien, die das Wasser auf seinem Weg durch die Erde herauslöst und es dadurch erst lebendig machen. Und nur lebendiges, mineralstoffreiches Wasser ist die Basis allen Lebens auf dieser Welt.



Wasser, das Element der tiefen Stille


In jedem Ende wohnt der Geist des Anfangs. Für mich persönlich beginnt der Zyklus im Element Wasser *. Hier sind wir in tiefster Verbundenheit mit uns selbst, mit unserer Essenz. Der erste reine Gedanke, die Idee, der noch unbenennbare Impuls entsteht aus unserem Inneren heraus. Gleichzeitig sind wir ruhig, still und in uns zurückgezogen. Es ist die Zeit, in der scheinbar nichts passiert, wir schlafen mehr und interagieren weniger nach außen. Und dennoch entsteht in unserem Geist eine neue Idee, ein göttlicher Funke. Wie kleine Luftblasen, die vom Grunde eines Sees aufsteigen, sich dem Licht und dem Leben entgegen bewegen und sich dabei langsam aber unweigerlich ausdehnen. Die Jahreszeit dieses Elements ist der Winter. Der Winter ist die Zeit des Rückzugs und des Stillstandes. Seine Qualitäten sind Konzentration und Dichte.



Die Wasserenergien in der Yin Yoga Praxis


Achtsam aktivieren wir im Yin Yoga die dem Wasser zugeordneten Meridiane Blase und Niere. Ihre Jahreszeit ist der Winter. In den Nieren steckt das Potenzial unserer Lebensenergie so wie in der Eichel die Möglichkeit einer mächtigen Eiche steckt. Aktivieren wir diese Energiebahnen in unserem Körper, können wir uns leichter auf das Wesentliche konzentrieren, auf unsere Essenz. Es ist die Zeit, in der wir einerseits zur Ruhe kommen und Still werden und andererseits den Samen für das kommende Jahr setzen, als eine leise Idee, als einen Hauch eines Gedankens.


Worauf kommt es bei dir in diesem Jahr ganz besonders an?

Welchen Samen möchtest du dieses Jahr setzten?



Holz, das Element des Wachstums


Im Holz steckt die Wiedergeburt. Ob ein Baum ausschlägt, ein Mensch sich neuen Projekten widmet und es ihn dabei selbst zu neuem, inneren Wachstum drängt, oder ob eine Blume, die, wie aus dem Nichts, den Boden aufbricht und kraftvoll himmelwärts strebt ... alles befindet sich im Holz in Aufbruch, in einer scheinbar unzähmbaren Ausdehnung in alle Weiten. Es scheint keine Grenzen zu geben. Wir wollen alles wissen, alles aufsaugen und alles umsetzen. Wir sind unsterblich und unbesiegbar. Das Leben küsst uns mit seinem unerschöpflichen Potential. Es legt uns alle notwendigen Werkzeuge in die Hände. Wir legen ein Samenkorn in die Erde und es wird zu einem mächtigen Baum. Wir gehen einen Schritt nach vorne und kommen dabei eine Meile weit. Je mehr wir uns im Geiste dehnen, umso schneller werden wir. Nichts kann uns bremsen. Mit dem Element Holz widmen wir uns dem Frühling - der Zeit des Wachstums, in dem wir Projekte und Pläne mit Leichtigkeit in die Tat umsetzen.



Die Holzenergien in der Yin Yoga Praxis


Im Yin Yoga stimulieren wir auf sanfte Weise die Meridiane Leber und Gallenblase. Sie gehören der Wandlungsphase Holz an und stehen für die Jahreszeit Frühling. In der TCM unterstützen die Energien dieser Meridiane den Mut, Entscheidungen zu treffen und den ersten Schritt zu gehen.


Was ist dein Herzenswunsch?

Welches Projekt ist jetzt dran?


Bringe deine Holzenergie in Fluss!

Lass deinen Ideen freien Lauf!

Spüre den Mut, deinen Allerwertesten mal wieder so richtig weit aus dem Fenster zu hängen!

Sei frech, wie die Natur, die sich wild und frei der Sonne entgegenstreckt und mit ihren unverschämt bunt leuchtenden Farben die Erde schmückt!


Das Leben wünscht sich von dir, dass du dich frei entfaltest.

Du bist geboren um zu leben!


Erweise dem Leben deinen Respekt in dem du es voll lebst!

So wie eine Blume ihrem Leben den Respekt erweist, indem sie in ihren schönsten Farben blüht und der Sonne entgegen lacht.



Feuer, das Element des wachen Bewusstseins und der Liebe


Im Feuer erreicht unser Energieniveau den seinen Höhepunkt. Vergleichen wir diesen Zyklus mit dem Besteigen eines Berges, haben wir im Element Feuer den Gipfel unseres persönlichen Berges erreicht. Der Körper ist heiß. Wir sind gebadet im Schweiß unseres Erfolges und unserer Möglichkeiten.  Das Blut treibt kraftvoll und energisch durch unsere Adern. Wir stehen im Zenit unserer gelebten Kräfte. Unser Geist ist wach und unser Denken klar. Wir haben ein klare Bild von uns und unserer Welt. Unser Bewusstsein und unser Herz sind geweitet. Das warme Gefühl von Liebe durchdringt unseren Körper und unsere Sinne. Alles ist Freude.



Die Feuerenergien in der Yin Yoga Praxis


Behutsam stimulieren wir im Yin Yoga die Meridiane Herz und Dünndarm, sowie Herzhülle und den Dreifachen Erwärmer. Sie gehören der Wandlungsphase Feuer an und stehen für die Jahreszeit Sommer. Laut der Traditionell Chinesischen Medizin unterstützen die Energien dieser Meridiane Freude und Erfüllung, inneres Gleichgewicht, klare Gedanken und klare Rede und eine eigene Weltanschauung.


Was begeistert dich?

Was erfüllt dich zutiefst?

Erinnerst du dich?


Lebe die Freude!

Lebe die Liebe!

Liebe, Freude und Erfüllung sind Dein Geburtsrecht!



Erde, das Element der Zufriedenheit und der Fülle


In der Wandlungsphase der Erde sind wir uns unseres Erfolges gewahr. Das Werk ist vollbracht. Wir werden uns der Früchte unseres Tuns bewusst und erkennen sie an. Wir erkennen uns selbst an. Wie eine Mutter, lieben und akzeptieren wir uns, so wie wir sind und sorgen gut für uns. Wir haben uns auf Gipfel des Berges niedergelassen und betrachten die Welt von oben. Wir rasten. Wir haben es verdient. Unser Lohn ist die Erfahrung, die neue Perspektive. Wir hohlen die süßen Früchte, die wir während unseres Aufstiegs gesammelt haben, aus unseren Taschen und stärken uns damit. In dieser Phase beginnt allmählich der Wandel nach innen. Wir treffen Vorsorge für die Zukunft. Und langsam aber sicher bereiten wir uns auf den Abstieg vor. Der Wendepunkt ist erreicht und der Rückzug in die Kraft der eigenen, goldenen Mitte wird eingeläutet. Die Temperaturen werden milder. Die ausgelassene Aktivität des Sommers wird getragener und besinnlicher.



Die Erdenergien in der Yin Yoga Praxis


Die dem Element Erde zugehörige Jahreszeit ist der Spätsommer, die Zeit der Ente, aber auch die Zeit des Übergangs. Diese Wandlungsphase widmet sich den Meridianen Magen und Milz. Beim Üben von Yin Yoga werden diese Meridiane durch sanftes Dehnen stimuliert. Die Energien dieser Meridiane kommen ins Fließen und finden ihr natürliches Gleichgewicht wieder.


Komme in die Kraft deiner eigenen Mitte!

Sorge gut für dich!

Tauche ein in das Gefühl wohlverdienter Gelassenheit und Zufriedenheit!



Metall, das Element der Klarheit


Im Metall erfahren wir den Abschnitt des Zyklus, der uns wohl am schwersten fällt. Wir lassen los. Wir lassen los, um wieder aufs Neue (auf)nehmen zu können. Damit die Sonne jeden Morgen aufgehen kann, muss sie unweigerlich am Abend untergehen. Wenn wir morgen wieder einen Gipfel erklimmen wollen, müssen wir heute von diesem Gipfel absteigen. Und der Kreislauf beginn von vorne.


In unserer modernen Welt werden wir von Ablenkungsmanövern, die unseren Geist vernebeln,  geradezu überschüttet. Die Werbung, die Gesellschaft, der Social Media Zwang, unsere Arbeit, ja sogar unsere Familien erheben Anspruch darauf, zu wissen, was gut für uns ist und was wir für ein glückliches Leben zu tun haben. Nur meist liegen sie daneben und wir können das, was uns wahrhaftig glücklich macht nur aus uns selbst heraus finden. Dafür brauchen wir einen guten Draht zu uns selbst - zu unserer Essenz, die Fähigkeit, zu unterscheiden, was wirklich in unser Leben gehört und was nicht und den Mut, das Alte loszulassen.


Der Herbst ist die ideale Jahreszeit für diese Art von Innenschau. Er steht für das Element Metall, dem nach der TCM die Organe Lunge und Dickdarm zugeordnet sind. Durch die Lunge empfangen wir das Qi des Himmels, unsere Lebenskraft. Der Dickdarm befreit uns vom Abfall, dem Ballast, den wir nicht mehr benötigen.


Einer meiner Lehrer und Mentoren während meiner Studienzeit in Kalifornien sagte einmal zu mir, „Take the good and leave the bad!“ Damit hat er nicht nur Recht, bezogen auf die Vielzahl von Lehren und Meinungen mit denen man sich als junge Studentin konfrontiert sieht. Diese Leitsatz lässt auf sehr viele Bereiche im Leben anwenden. Wenn nicht auf alle und das immer und immer wieder aufs Neue. Lasst uns üben, die Spreu vom Weizen zu trennen in dem wir jeden Tag ein bisschen mehr von dem loslassen, was „abgelaufen“ ist um Platz zu schaffen, für den Funken, der in unserem Leben ein Feuer entfachen möchte. 


„Nur wenn wir loslassen, kann ein Raum entstehen, in dem das Alte sterben und das Neue geboren werden kann.“ (Achim Eckert)



Die Energien des Metalls in der Yin Yoga Praxis


Um diesen Prozess zu unterstützen und überhaupt in Gang zu setzen, aktivieren wir beim Yin Yoga Posen die dem Element Metal zugehörigen Meridiane Lunge und Dickdarm, um gestaute Energien wieder ins Fließen zu bringen. Das längere Verweilen in den Yin Yoga Posen unterstützt ganz automatisch die Kontaktaufnahme zu unserer Essenz und ermöglicht uns ganz leicht ein sanftes aber tiefes In-uns-hineinschauen.


Auch die Atmung spielt hier eine Wichtige Rolle. Sie ist die Verbindung zwischen unserem Bewusstsein und unserem Unterbewusstsein und ist somit das wichtigste Element in der Meditation. Ihr Rhythmus versinnbildlicht das Prinzip von Aufnehmen und Abgeben und hilft uns, das Wesentliche zu erkennen. Mit einfachen, an den jeweiligen Atemtyp angepassten Übungen lernen wir, unsere Atmung wieder voll zu entfalten und das Pulsieren des Lebens in uns zu spüren.


Lasse los, was dich schwächt und kultiviere, was dich stärkt und nährt!



Der Wache Pfad


Alle Phasen bedingen einander. Fällt eine weg oder ist schwach, schwächt es den gesamten Zyklus. Es gibt kein Gut oder Böse, kein besser oder schlechter. Es gibt nur die Kraft, die ewige Energie, die durch die kontinuierliche  Bewegung ins Gleichgewicht findet. Und es gibt das Geschenk, welches sich in jeder einzelnen Lebensstation und in jedem Moment des Lebens verbirgt. Und was nur darauf wartet, nach Hause geholt zu werden.


Gehen wir den Weg des Lebens mit klarem und wachem Geist und geben wir uns dem Rhythmus des Lebens hin, werden sich die Schätze und die unendlichen Reichtümer, die dieses Leben uns schenken möchte, offenbaren.





Yin Yoga in der Praxis


Yin Yoga ist eine ergänzende Yoga Praxis, durch die wir unsere Yin Aspekte auf physischer, energetischer und emotionaler Ebene erfahren, erforschen und wieder in unser Leben integrieren können. Durch das längere Verweilen in den Yin Yoga Positionen harmonisieren sich gestaute Energien. Unsere Lebensenergie Qi kommt wieder ins Fließen und Körper, Geist und Emotionen finden zu ihrer natürlichen Balance zurück. Yin Yoga zeigt nicht nur auf der energetischen Ebene seine positiven Wirkungen. Auf rein körperlicher Ebene, mobilisiert das regelmäßige Üben von Yin Yoga die Gelenke, stärkt unser Skelettsystem und dehnt unser fasziales Netzwerk.  Wir erfahren mehr Beweglichkeit in unserem Leben: im Körper, im Geist, in unseren Gedanken und Emotionen.


Sind wir in der Lage, uns den Positionen und uns selbst hinzugeben, lehrt uns die Yin Yoga Praxis eine innere Gelassenheit und ermöglicht uns ein aufmerksames Hineinhorchen in unseren Körper und in unsere Gefühlswelt. Eine regelmäßige Yin Yoga Praxis schafft nachhaltig tiefe, innere Ruhe und Achtsamkeit.


Übe Yin Yoga mit Achtsamkeit, Stille, Hingabe und Mitgefühl! Verankere deine Bewusstsein in einer gleichmäßigen und natürlichen Bauchatmung! Las deine Energien, deine Gedanken und deine Gefühle wieder ins Fließen kommen!


Yin Yoga ist der sehr intime Moment mit meiner Seele und mit mir selbst!



* Sollte es einen Anfang geben, beginnt der Zyklus der Wandlungsphasen im Element Wasser. Die Gene, also unser Urplan, gehören zum Element Wasser und auch das Gehirn. Am Anfang war das Wort, eigentlich der Gedanke. Das Universum ist aus dem Nichts entstanden. Klingt für mich nach Wasser. Allerdings frage ich mich auch, ob es nicht paradox ist, dem Prinzip der Wandlungsphasen und dem Prinzip, dass alles zyklisch ist, die Begriffe Anfang und Ende aufzudrängen. Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Haben wir dafür nicht das Element Erde, also den Übergang. Es gibt kein Ende, genau so wie es keinen Tod gibt. Es gibt nur Übergänge.




MOYO

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Foto: Wolfgang Gschwendtner

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